Buchvorstellung: Warum französische Kinder keine Nervensägen sind

Auf der Suche nach „Erziehungs-Ratgebern“ fand ich dieses wunderbare Buch, was mir die letzte Woche versüßte und mich mehrmals zum Lachen brachte.

Pamela Druckermann ist eine Amerikanerin, die der Liebe wegen, nach Paris gezogen ist, und sich wundert, weshalb die Kinder französischer Familien viel besser erzogen zu sein scheinen, als ihr eigenes. So beginnt sie, der Französischen Erziehung auf den Grund zu gehen und stellt fest, dass Eltern ihren Zöglingen sehr strenge Regeln auferlegen, die ihnen aber einen Rahmen bieten, in dem sich die Kinder frei entfalten dürfen. So backen schon Drei-Jährige einen „Joghurtkuchen“ (Rezept im Buch enthalten), werden aber dazu angehalten, nicht nur Bitte und Danke zu sagen, sondern auch Höflich zu sein (dazu gehört auch, Erwachsene nicht zu unterbrechen, auch nicht beim Telefonieren)

Sie lernt, wie schon Drei-Monate alte „Frischlinge“ nachts durchschlafen, und weshalb französische Kinder auch Gemüse essen (und nicht nur Toast mit Ketchup), wie man auch mit Kind noch ein Paar bleibt, und warum es nicht schlimm ist, sein Kind in der Krippe ab zu geben. Dabei gibt sie eine Menge Tipps, die dem leser „nebenbei“ vermittelt werden, während er die überaus humorvollen Erlebnisse von Pamela und ihrer Familie begleitet

Tipps zum Thema:
* Schwangerschaft (für zwei essen, Ängste&Sorgen, Genussmittel und mehr)
* Schon Säuglinge verstehen, was man sagt
* Schlafen (alleine und durchschlafen)
* Nahrungsaufnahme (Gemüse, Süsßigkeiten, 4 mahlzeiten/Tag)
* Warum Kinder Kinder sein dürfen (und anstatt zu lernen lieber spielen)
* Wie man Kinder das „Warten“ lehrt
* Strenge Regeln und viel Freiheit unter einen Hut bekommen
* Wie man als Mutter auch eine Frau bleiben kann
* Wie die Ehe eine Partnerschaft bleibt (und nicht eine Wohngemeinschaft)
* Autorität vs. Antiautoritär

Bei allen Ratschlägen wird man niemals ein „Du solltest/du solltest nicht“ finden, sondern lediglich Anregungen finden, die man selber umsetzten kann, oder einfach nur ein humorvolles Buch über das Kinder-groß-ziehen“ in Frankreich. Ich finde, es läd dazu ein, die eigenen Einstellungen zur Erziehung, vermittelt durch die gesellschaft oder Familie, zu hinterfragen und sich zu trauen, aus alten Mustern aus zu steigen. Gerade auch, wenn man sich fragt: „Bin ich eine gute Mutter?“ (und daran zweifelt), sollte man dieses Buch lesen.
Es ist Balsam für die Mutter-Seele und nicht zu schwer (vom Gewicht des Buches), so dass man es auch nebenbei lesen kann; z.B. wenn man das Kind durch die Wohnung schleppt, bis es schläft, wenn das Füttern mal wieder länger dauert, in der Badewanne oder im Bett.

Fazit: Ich bin dankbar für die vielen schmunzelden Stunden und erstaunlichen Erfolge (kann das Baby tatsächlich alleine in seinem Bettchen einschlafen, ohne von mir in den Schlaf gewiegt zu werden? Ja!) und kann es nur weiter empfehlen.

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7 Kommentare zu „Buchvorstellung: Warum französische Kinder keine Nervensägen sind

  1. Ich habe es mir direkt mal die englische Version besorgt. Schmunzelnde Stunden kann man immer gebrauchen. Danke für den Tipp!
    Lg

  2. Schon allein des Titels wegen hätte ich das Buch im Laden stehenlassen (ich mag es nicht, wenn Kinder solche Bezeichnungen bekommen). Aber deine Rezension hat mich neugierig gemacht.

  3. Eine französische Bekannte von mir, die mittlerweile in Wien lebt, hat ihren Kindern auch beigebracht, sie niemals zu unterbrechen. Wie genau möcht ich gar nicht wissen, jedenfalls nachdrücklich. Eben diese Freundin war eine Zeit lang sehr verzweifelt, weil ihre Tochter so oft nasse Hosen hatte, weil sie sich nicht getraut hatte, sie zu unterbrechen, wenn sie unterwegs beim Einkaufen, Telefonieren… aufs Klo musste. Ist mir bei deiner Rezension grad eingefallen.

    1. Ich bin dabei das Buch gerade zu lesen und obwohl ich kein Freund von Erziehungsratgebern bin gefällt mir dieser ausgesprochen gut. Grundtenor: Frau ist auch Frau wenn sie Mutter ist. Das war das erste was mein Mann bemerkte als wir mit Kndern in Frankreich waren.
      Ich handhabe es auch imKindergarten so das wenn mich in Kind unterbrechen möchte ich a
      kurz auf Augenhöhe gehe
      sage: merke dir bitte was du gerade sagen woltest, ich möchte gern noch zu Ende bsprechen
      und dann fortfahre in dem was ich gerade tue.
      Das Kind hat mich dann zwar trotzdem unterbrochen, aber es bekommt doch etwas wichtiges vermittelt. Natürlich tue ich das nicht wenn das Kind auf Toilette muss oder ähnliches…Es ist wie immer der goldene Mittelweg. Ich war tatsächlich erstaunt wie entspannt de 2 Wochen damals auf dem Campingplatz in Frankreich waren…

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