Mütterlicher Schwanzvergleich

„Kann dein Kind schon…?“

Welche Mutter hat diesen Satz noch nicht gehört?? Er leitet meist ein ganz kurioses Gespräch ein, in dem „Fähigkeiten“ des Kindes „abgefragt“ werden und dann bewertet/verglichen werden: Schlafverhalten, körperliche Fähigkeiten und kognitive Fähigkeiten. Ich habe bisher die Erfahrung gemacht, dass Mütter, die davon anfangen, das Schlafverhalten ihrer Kleinen zu offenbaren, über ihr Kind Anerkennung suchen: Dein Kind kann schon durchschlafen?? Boah! Du bist ja ne tolle Mutter… Du glückliche….

Und dann hören sie sehr gerne, dass es den anderen Müttern noch nicht so geht – die sich dann auch eifrig darüber beklagen, wie schrecklich ihre Nächte sind, wie wenig Schlaf sie bekommen (wobei auch das wieder in einem Wettbewerb endet, wem es denn schlechter geht..)

„Mein Kind kann schon…!“

Ich bin ehrlich: Mich nerven diese Gespräche an! Ich treffe mich sehr ungerne mit Müttern, wo alles „perfekt“ läuft (und die sich dann trotzdem beklagen, weil das Kindchen zur Zeit nur 100ml anstatt 120ml trinkt). Ist es nicht egal, was das Kind schon kann?? Fakt ist doch: Es wird irgendwann: durchschlafen, sich drehen, laufen, und so weiter! Und zwar genau zu dem richtigen Zeitpunkt! Zu seinem Zeitpunkt.

Natürlich freue ich mich, wenn der Frosch mal fünf Stunden durch schläft, oder wenn er eine neue Fähigkeit für sich entdeckt. Aber er ist nicht besser dadurch. Er ist genau richtig so, wie er ist! Es gibt Wochen, in denen es sehr schwer ist, mit ihm den Tag zu gestalten – er bekommt im Bus Schreianfälle und lässt sich nicht beruhigen – und er will nicht schlafen, aus Angst etwas zu verpassen (und ist dann natürlich nöhlig).  So ist er… und so ist er gut!

Liebe Mütter – ich würde mich gerne mit euch treffen und spazieren gehen, darüber nachdenken, wie man seinen Alttag mit Kind besser gestalten kann und natürlich darf man auch gerne über das Kind reden! Aber ich wünsche mir einen Austausch, einen gegenseitiges Aufbauen, Lösungen finden. Und auch mal zugeben, dass man keine Ahnung hat. Aus solchen gesprächen kann jede viel mehr mit nach Hause nehmen (besonders Anerkennung), weil man sich verstanden fühlt, und sich gegenseitig aufbaut.

Es ist doch egal, was das Kind schon/noch nicht kann – es bleibt unser Kind – und es ist, wie es ist! So sollte es geliebt werden, und nciht für die Dinge, die es schon ach so gut kann!

Persönliches Fazit:

Ich werde mir die Mütter hearus picken, bei denen das Miteinander aufbauend und wohlwollend ist. Euch liebe „Mein Kind ist so toll-Muttis“ werde ich aussortieren. (gegen mein Kind kommt ihr eh nicht an ^^

Advertisements

17 Kommentare zu „Mütterlicher Schwanzvergleich

  1. Ich musste herzhaft lachen bei Deinem Blogtitel!! Und es stimmt ja mal sowas von!

    Ich finde es auch obernervig, grade in diesen Kursen wie Babymassage oder Rückbildung oder sowas. Schlimm. Alle vergleichen ihre Babies, als wären alle austauschbar! Sollen sie sich doch mal die Schwangerschaften anschauen, ich kenne keine zwei gleichen. Jeder ist anders, der Spiegel beweist es den Zweiflern.
    Und ich finde, diese Literatur bzgl. Kinderentwicklung baut auch ordentlich Druck auf. Mit vier Monaten muss es schon dies können, mit 5,37 Monaten soll es unbedingt das machen, blahblahblah. Ätzend. Und wenn meiner eben faul ist? Über sowas steht nirgens was, dann hat er gleich Defizite. Oder wenn meiner zu früh schon sitzen möchte? Das ist nicht gut, das schadet dem Rücken… Ächz.

    Als würden Menschen sich nach Parametern entwickeln.

    Liebste Grüße, Miri

  2. Manches ändert sich scheinbar wirklich nie…..ohje, deswegen war ich mit meinem auch meisten weitab jedeweder Baby-Kurse unterwegs, denn das ist einfach nervig und kann auch verunsichern, gerade wenn Du dabei auch bereits Mehrfach-Übermütter triffst…..nee nee, mach mal Dein eigenes Ding, denn die Natur hat schon immer etwas für Vielfältigkeit über gehabt und viele verschiedene kleine Persönlichkeiten, und das ist auch gut so.

    Aber es gibt sie dennoch, die ebenso wie Du empfindenden Mütter, nur die findest Du eben nicht an jenen bereits beschriebenen „Mütterlichen Schwanzvergleichsplätzen“ 😀

    Fröhliche Grüße
    Silberweide

    1. Bin auch in keinen dieser „Baby-Kurse“.
      Der Frosch braucht sie nicht, er entwickelt sich auch prächtig ohne PEKIP, Babyschwimmen und Co.

      Und Mütter kennenlernen kann man auch im „Sill-Cafee“ oder im Bus ^^ (und das sind meistns ähnlich gestrickte :*)

  3. wir haben auch keine Kurse besucht, weils die in unserer Ecke nicht gab und ich ziemlich Aufwand betreiben hätte müssen… aber mami tut ja alles fürs Kind, also auch fördern bis der Arzt kommt. Tochterherz ist von selbst zu ihrem Zeitpunkt trocken geworden… zB. Und sie hat auch so schwimmen gelernt und Radfahren. und ist eine musische, kreative, schräge junge Frau geworden. das Problem waren fast immer die anderen, die mit überhöhten Erwartungen an uns herantraten und meine Profession, die mich dazu brachte, irgendwann festzustellen, dass die Bücher über Erziehung und sowas schwerer wogen als der Säugling. Aber das habe ich auf meinen Job geschoben 😉 Und hej, ich hab auf Garantie auch Fehler gemacht. Tja. Das Leben.
    Ich glaube, das wichtigste ist Liebe, dann kommt Gelassenheit und das Bei-sich-sein…

    Alles Liebe euch!!!

  4. Diese Einstellung macht dich sehr sympathisch ^^
    Ich find es irgendwie traurig, dass sich so viele Mütter plötzlich nur noch über ihr Kind definieren, leider wird das manchmal auch nicht besser, wenn das Kind dann älter ist… Dadurch lastet dann auch aufs Kind ein riesen Druck, weil es nicht nur für sich selbst z.B: den guten Schulabschluss schaffen muss, sondern auch für die Mutter, weil die keine eigenen Leistungen mehr wahrnimmt, auf die sie stolz sein kann. Oder wenn einem eingeredet wird, man müsse diesdasjenes machen, nur weil die Mutter das gern in ihrem eigenen Lebenslauf gehabt hätte, aber nicht konnte…

    Ah, da fällt mir noch ein Witz ein, den ich einfach klasse finde. Unterhalten sich zwei Studenten: „Ich war schon als Kind sehr intelligent, ich konnte schon mit 10 Monaten laufen!“ „Das nennst du intelligent? Ich hab mich mit 3 Jahren noch tragen lassen!“

  5. Oh, ich kann das sehr gut verstehen. Ich hab allgemein keine Kurse oder so besucht und dadurch kam das höchsten auf dem Spielplatz auf. Aber selbst das war mir schon zuviel.

    Und meine Mutter hat mir einen tollen Spruch (schon zur Schwangerschaft) mitgegeben: „Kind lies bloß keine Erziehungsratgeber! Wir haben in unserer Familie gute Instinkte, das reicht völlig.“ Und daran hab ich mich auch gehalten. Und bei dir liebe Wölfin hab ich das Gefühl, dass es ganz genauso ist !

  6. Ja, als wären unsere Kinder Laborratten, deren Intelligenz sich nur unter bestimmten Voraussetzungen und vorgeschriebenen Versuchsabläufen zeigt.
    Dieses ewige: „Kann deiner schon das und das?“, und es schwillt schon die Brust der Fragestellerin, um gleich triumphierend rauszuposaunen, was das eigene Kind so kann.
    Profilieren habe ich noch nie gemocht und DAS ist mir absolut zuwider!
    Kind wird Mensch, so oder so. Reicht doch.

  7. es gibt da so ein nettes Buch: Die Mütter-Mafia… von… Kerstin Gier – glaub ich. Daran musste ich beim Lesen Deines Postings gerade denken. Ist recht witzig 😉

  8. Sowas ist einfach traurig und zeigt mir, dass manche Leute nur Kinder haben, damit sie ein Statussymbol vorzeigen können.

    Mir ist das erst bewusst geworden, als ich „Lassen Sie mich durch, ich bin Mutter“ von Anja Maier gelesen habe. Ein Buch, was ich absolut empfehlen kann!

  9. Huhuuuuuu, ich kann absolut verstehen was Du meinst…! Ich würde es auch nicht mögen, Vergleiche mit anderen zu ziehen und irgendwie in nen Konkurrenzkampf über die Fähigkeiten des Babys zu gehen. Bisher hab ich nicht so viele andere Mütter mit Babys im gleichen Alter um mich. Aber einwerfen möchte ich doch Folgendes: Ich gebe zu, ich spreche ganz gern über Dinge, die meine Kleine schon kann. Als Mami ist man doch schon ein bissl stolz, bzw freut sich über jeden Fortschritt, oder…? Ich bin jedenfalls immer ganz aufgeregt, wenn ich eine neue Fähigkeit bei ihr erkenne. Wenn ich es dann jemand anders erzähle ist das nicht um damit anzugeben oder einen Wettkampf zu veranstalten, sondern eine Art meinem Verzücken und auch meinem Erstaunen Ausdruck zu verleihen. Und wenn ich bei anderen Nachfrage, ob ihr Baby das auch macht, dann ist das eher aus reinem Interesse und manchmal aus einer Unsicherheit heraus, weil ich nicht recht weiß, was ich wann erwarten kann/soll/muss. Ich erhoffe mir halt einen Austausch. ‚Wettbewerb‘ soll das gewiss nicht sein.

    Zur Zeit finde ich es z.B. sehr interessant, die Kommunikationsweisen von Babys zu beobachten. Ich möchte z.B. wissen, ob die Babys von englischsprachigen Müttern dieselben Laute hervorbringen wie meine Kleine. Ich wüsste gern, ob Dein Fröschlein ähnlich ‚quakt‘ wie meines… Und ob andere Babys auch so viele Anstalten machen, sich zu ‚unterhalten‘. Ich hätte z.B. nicht gedacht, das Babys schon so früh kommunizieren. Das war neu für mich. Darum möchte ich nun viel darüber erfahren. Wie spreche ich also nun darüber, ohne dass andere glauben, ich wollte in Konkurrenz gehen…? Denn ich möchte wirklich nicht, dass das jemand glaubt und sich darum von mir abwendet. Besonders DU nicht. 😉

    Also, ein Gespräch oder eine Ideensammlung darüber, wie man am besten über Babybelange kommuniziert wäre klasse. Ideen….? 🙂

    Hoffe, wir skypen bald mal… 😉

    Alles Liebe von Aine

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s