Verwöhnen&Erziehen

Ich hatte hier schon einmal darüber geschrieben, dass Fachleute mir damals gesagt haben, ich würde mein Kind verwöhnen, weil ich ihn so viel tragen würde, und weil ich ihn erlaube in unserem Bett zu schlafen…

Mittlerweile liegen da nun über 6 Monate dazwischen, und ich verwöhne immer noch – und er genießt es, mit vollen Zügen.

Ich kann von meinem Kind behaupten, dass es unkompliziert ist: ich kann ihn überall mit hin nehmen, mit ihm alles mögliche unternehmen. Denn Alltag (meistens) meistern, Haushalten und Einkaufen gehen. Er ist ausgeglichen und fröhlich – alles kein Problem. Er weiß, dass er sicher ist, dass er zu mir kommen kann – hat einen Fixpunkt.

Wenn ich ihn trage ist alles kein Problem, er kann sich entspannen. Im Kinderwagen hält er es noch nicht einmal eine Stunde durch – da will er raus, auf den Arm.

Jetzt gibt es Menschen, die sagen, dass er das lernen MUSS! Er müsse nun lernen, im Kinderwagen zu sitzen. Und auch mit dem Schlafen im Familienbett – er müsse doch jetzt lernen, alleine zu schlafen – schließlich verwöhnen wir ihn, und wir müssten aufpassen, dass er uns nicht auf der Nase herum tanzt.

Also ich persönlich sehe das so: Der Gute braucht denn Körperkontakt – und es gibt Tage, da muss ich ihn mehr tragen (damit meine ich auch zu Hause) und an manchen Tagen halt weniger… aber ich habe nicht das Gefühl, dass er mir auf der Nase herum tanzt, weil er Liebe und Körperkontakt braucht. Das, was viele vergessen:

ICH BRAUCHE ES AUCH!

Es gibt so viele schwierige Situationen (einschlafen&durchschlafen), die mich echt schlauchen, und dann genieße ich es, wenn wir uns aneinander kuscheln, er mit seinen Händchen mich liebt tätschelt, und wir uns in die Augen schauen… wenn ich das nicht hätte, was bleibt denn da??

Das lädt meine Akkus genau so auf, wie die des Kleinen!

Natürlich ist es anstrengend, die Hausarbeit mit einem Kind auf dem Rücken zu erledigen, aber nicht halb so anstrengend, als mir trauriges Weinen aus einem Laufstall an zu hören, während ich die Hausarbeit mache…

Und natürlich ist es anstrengend, wenn der Zwerg nachts an mich gepresst da liegt, oder schon um halb fünf durch das Bett springt – aber nicht halb so schlimm, als wenn ich nachts dauernd aufstehen müsste, um nach ihm im Nebenzimmer zu sehen (wenn er alleine wach wird und Angst bekommt).

Kinder sind für mich von Natur aus gut – und pflegen keine hinterhältigen Gedanken – sie wollen uns nicht schaden. Natürlich wollen sie ausprobieren, was geht, wo ihre Grenzen sind, und testen diese aus – aber das ist doch ganz natürlich und machen wir Erwachsene doch immer noch – nur auf eine andere Weise…

Ein Kind ist brav, wenn es so handelt, wie wir Erwachsene uns es wünschen… Erziehung ist im Prinzip das Gleiche: Man will das Kind dazu bringen, sich genau so zu verhalten, wie man es von ihm verlangt! Und jegliche Abweichung ist dann „ungezogen“.

Was paradox an der Sache ist: Wir wollen genau so angenommen werden, wie wir sind – tun wir das auch bei unseren Kindern?

Stell dir vor, du nimmst dein Kind an, genau so wie es ist – was würde sich heute für dich verändern? (bei mir eine ganze Menge, denn ich kann mich nicht davon frei sprechen, Erwartungen an mein Kind zu stellen, aber ich weiß, dass sich eine Menge verändert, wenn ich mich dies frage).

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11 Kommentare zu „Verwöhnen&Erziehen

  1. Liebe Wilde Wölfin!

    Ich habe selbst noch keine Kinder (dafür bin ich mit 20 Sommern ein wenig jung), aber dein Artikel hat mich sehr berührt. Meine Erziehung war sehr liebevoll und immer genau dann streng, wenn ich Mist gemacht habe. Viele haben mir meine Eltern als überfürsorglich oder spießig ausgelegt. Dennoch denke ich, dass Liebe für ein Kind das allerwichtigste ist. Und dazu gehören auch Körperkontakt usw.
    Meiner Meinung nach machst du es genau richtig.
    Hör auf dein wildes Herz 🙂

    Herzliche Grüße,
    deine Katzenwölfin

  2. Es ist DEIN Kind, KEIN Fachmann kennt es, ABER Du. Solange Du Du selbst bist, bei dem was Du für Dein Kind tust, ist alles okay. Sobald Dir die Kraft ausgeht, ändert sich Deine innere Haltung in gewissen Situationen sowieso (z.B. Durchschlafen, oder mit im Bett schlafen, etc.) und Dein Kind wird sehen: jetzt ist etwas anders, jetzt will Mami nicht mehr. Klar, will es dann trotzdem noch, aber es gewöhnt sich auch an die neue Situation und das sogar schneller, als bei halbherzigen Versuchen, weil Du auch in der veränderten Situation verlässlich geblieben bist. Amen 😉

    Lustig, ich hab‘ den gleichen „Schwung“, wie früher bei der Erklärung unseres Stillrhythmus‘ gegenüber der Aussenwelt, da wussten auch viele alles besser……

    1. Ja, viele wissen es besser… spannend ist dann dabei nur, dass sie es ganz anders gemacht haben, und deswegen gar nicht vergleichen können…
      Auch ich hätte gerne gestillt, und ich denke, dass es das Beste für ein Kind ist – natürlich (und Göttin sei dank) werden sie auch ohne groß, sonst hätten wir hier Probleme gehabt…

      1. Also weißt Du was, wenn du nicht stillen konntest, ist das doch das Mindeste was Du tun kannst für dein Kind, ihm den Körperkontakt zu geben, den es beim Stillen gehabt hätte! Gefühlt hab ich täglich Stunden gestillt, klar legt man da mal das Kind „einfach“ leichter weg! Alles gut!

  3. Liebe Wölfin,

    ich bin der Meinung, dass es viele Dinge im Umgang mit Kindern gibt, die ihnen durchaus schaden können. So ist es z.B. nicht gut, die Kinder ständig herum zu tragen. Das ist zwar gut für die Bindung zwischen Eltern und Kind, aber für die Wahrnehmung und die sensorische Integration ist es nicht gut. Die Kinder müssen sich bewegen können, sich und ihren Körper sowie dessen Anfang und Ende im Zusammenspiel mit ihrer Umwelt, mit allen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten kennenlernen. Sind sie nicht in der Lage, sich und ihre Umwelt durch eigenes Lernen, Ausprobieren und Erfahren kennenzulernen, sind sie später völlig mit allen Reizen, die auf sie einstürmen, überfordert.
    So weint der Zwerg, sobald er in den Laufstall muss, weil er ihn nicht „begreift“. Für ihn ist der Laufstall eine Welt, die ihm fremd ist und die ihm zu groß erscheint, weil er im Tuch erfahren hat, dass sich seine Welt bewegen und eng sein muss.
    Kinder müssen ihre Umwelt erfahren und auch aushalten lernen. Nicht, um sie zu quälen, sondern weil es für ihre Entwicklung und ihre Wahrnehmung (sensorische Integration) extrem wichtig ist.

    Liebe Grüße
    Sjel

    1. Liebe Sjel,
      ich kenne dich nicht uds lese den Blog der wilden Wölfin bisher eigentlich immer nur ’still‘, doch nun möchte ich auch einmal etwas schreiben. Ich finde es, schwierig, wenn du verallgemeinernd von „Kindern“ sprichst, die ihre „Umwelt erfahren und auch aushalten lernen“ müssen.
      Ich bin der Meinung, dass es nicht ‚die Kinder‘ gibt – jedes Kind entwickelt sich unterschiedlich schnell, und während das eine vielleicht noch mehr Körperkontakt und Nähe sucht, geht es dem anderen anders. Das ist doch auch bei Erwachsenen so. Ich würde mich schrecklich fühlen, suchte ich die Nähe meines Liebsten in einer unbekannten Situation und er stieße mich weg mit der Begründung, ich müsse aushalten lernen. Wie schlimm muss es für jemanden sein, dem man diesen Umstand nicht einmal erklären kann?

      Liebe wilde Wölfin,
      ich glaube, so lange du auf dein Gefühl hörst, machst du alles richtig. 🙂
      Ich finde besonders diesen Artikel mutmachen udn kraftgebend – entgegen aller Kritik:
      http://geborgen-wachsen.de/2014/01/30/wir-tragen-noch-15-monate-ohne-kinderwagen/

      Viele liebe Grüße (vor allem an die wilde Wölfin!),
      Vixanne

      1. Danke dir Vixanne
        Ich plane auch noch einen sweparaten Blogbeitrag zum Thema „Tragen“, denn wir tragen auch noch 🙂
        Und ich danke dir für den mutmachenden Beitrag!
        Ana

    2. Liebe Sjel,
      Der zwerg wird nicht ständig herum getragen, so ist er hier in seiner gewohnten Umgebuing stets „zu Fuß“ unterwegs und kann seine Umgebung so erkunden, wie es für ihn richtig ist – in seiner Geschwindigkeit. Ich werde aber darüber gerne noch einen separaten Eintrag schreiben.
      Der Zwerg mag keine Laufställe WEIL er ihn versteht – er kann nicht heraus, und möchte doch so gerne seine Freiheiten genißen (siehe auch dazu https://wildewoelfin.wordpress.com/2014/02/14/grose-freiheiten-fur-kleine-menschen/)

      Ich danke dir, dass du dir gedanken machst, und du unser Bestes wünschst. Das erkenne ich an, und ist mir sehr wichtig
      Danke dafür
      Ana

  4. Hallo liebe Wölfin,

    da habe ich dich wohl missverstanden :0)

    Ich arbeite täglich mit Kindern zusammen, die eben nicht diese Möglichkeiten bekamen. Sie konnten sich nicht austesten, ihre Umwelt und ihren Körper kennenlernen, weil sie z.B. ständig herumgetragen wurden. Bei ihnen ist die sensorische Integration massiv gestört und so schlimm das auch ist, aber in ihren Fällen ist es oft hausgemacht.

    Daher ist es mir ganz wichtig, den Eltern Hilfestellung zu geben und mit ihnen Strategien zu entwickeln, damit sich das Kind ab sofort besser entwickeln kann und seine Umwelt sowie seinen Körper besser wahrnimmt. Aber auch ist es mir wichtig, „Fehlverhalten“ von Anbeginn zu vermeiden, indem die Eltern von mir Fakten und entsprechendes Wissen vermittelt bekommen, damit die Kinder nicht irgendwann eine Therapie nötig haben.

    Denn heutzutage leben wir leider Gottes in einer Ellbogengesellschaft und wenn es in dieser Welt Kinder gibt, die Probleme haben, weil ihre Wahrnehmung usw. nicht richtig funktionieren, dann ist es vorprogrammiert, dass sie anecken und ausgegrenzt werden. Und da muss ich niemand über einen Kamm scheren, denn meine tägliche Arbeit zeigt es ganz deutlich.

    Liebe Grüße
    Sjel

  5. Liebe wilde Wölfin!

    Mach dir keine Gedanken über die anderen. Das hab ich damals auch gemacht und das Verwöhn-Thema war auch dabei. Hab mir viel kaputt gemacht dabei, weil ich mich selber unter Druck gesetzt habe bei Dingen die mich persönlich eigentlich gar nicht belastet haben, aber andere eben anders gesehen haben. Meine Kinder waren jedes 2 Jahre bei uns im Bett (es war aber auch breit genug :)). Inzwischen weiß ich mehr und ich würde alles anders machen und zwar genau so wie es damals mein Herz schon gesagt hat, ich es aber nicht gemacht hab. Wegen der anderen und der schlauen Bücher und Zeitschriften …
    Ich arbeite inzwischen in einer Krippe und ich bekomme oft im Elterngespräch zu hören, dass die Kinder noch im Elternbett schlafen. So selten ist das also gar nicht.
    Auch das Tragen empfinde ich als wichtig, so lange es dich selber vom Gewicht oder deinem Rücken her nicht belastet. Dass du ihn nicht nur herumträgst hast du ja schon erwähnt. Wenn du also selber bemerkst, es ist nicht nur ein „ich will meinen Kopf durchsetzen“ beim Kind ist sondern ein echtes Bedürfnis, dann gib dem ruhig nach.
    Mein Sohn war ähnlich und ich hab mich immer gefragt, was ich falsch mache. Er mochte den Kinderwagen vom ersten Tag an nicht, weil er da nichts sehen konnte. MaxiCosi hin oder her, ich war gottfroh, dass es diese Babyschale gab, denn sie ermöglichte ihm, zu sehen, was um ihn herum los war. (Und er hat keine Rückenprobleme davon bekommen). Hatte ihn damals auch viel im Tragetuch beim Kochen und so, so konnte er es gut ertragen zu warten, bis das Essen fertig war.
    Immer mit dem Gedanken im Hinterkopf: Du verwöhnst ihn zu sehr! Wäre das nicht gewesen, hätte ich viel weniger Stress gehabt und die Zeit mehr genossen.
    Inzwischen weiß ich, dass mein Sohn eine leichte Form von ADS hat und er deswegen oft so ungeduldig war und nichts abwarten konnte. Hätte ich mich noch mehr gezwungen, der „Norm“ zu entsprechen damals, wäre ich sicher verzweifelt.
    Ich denke, das was du tust, ist richtig, so lange du dich von deinem Kind nicht belastet fühlst, denn das, was momentan die meisten Probleme beim Kind auslöst, ist das Nicht-akzeptiert-werden-so-wie-es-ist und nicht, ob es trainiert wurde, allein zu spielen. Wenn es sich wohl fühlt, dann wird es das nämlich sowieso von alleine tun, weil es sich sicher fühlt. ALLE Kinder die in der Krippe Probleme machen sind nicht etwa problematisch, weil sie verwöhnt wurden, sondern weil ihre Eltern sie nicht als Mensch annehmen wie es ist sondern als kleines Kind sehen, das nicht ernst genommen werden muss oder das halt einfach (noch) unfähig ist und das man nun zu einem Menschen formen muss, weil es dazu selber nicht in der Lage sei.
    Die Wissenschaft weiß aber bereits, dass alles im Kind angelegt ist und wir ihm nichts krampfhaft beibringen müssen. Ich beschäftige mich selber gerade sehr mit diesem Thema. Der zur Zeit laufende Film in den Kinos „alphabet“ gibt da einen schönen Einblick und auch die Bücher von André Stern sind sehr informativ.

  6. Liebe Wölfin,
    es gibt kein RICHTIG und kein FALSCH weil es nicht DAS Kind gibt. Sie sind alle so unterschiedlich aber eins ist für die zwerge so wichtig: in Mamas Armen finde ich Geborgenheit. Und es gibt da sieses Buch http://www.amazon.de/Suche-nach-verlorenen-Gl%C3%BCck-Gl%C3%BCcksf%C3%A4higkeit/dp/3406585876/ref=pd_sim_b_3 wo es um genau das Thema geht.
    Wir tragen den Kobold auch recht viel (ohne Tragehilfe mittlerweile) aber zu Hasue hat er von Anfang an die Möglichkeit sich immer frei zu bewegen. Wir haben auch wie ihr feste Bereiche in denen er sich nur bedingt bewegen kann (Törchen vor der Küche, Durchgang zur Treppe) denn da ist es gefährlich für ihn. Der Rest steht zur freien Verfügung. Und trotz viel Tragen konnte er schon mit 9 1/2 Monaten aufs Sofa klettern und mit 11 Monaten laufen. Das hat mir gezeigt, dass Kinder trotz vielem Tragen sich und ihre motorische Entwicklung dennoch entwickeln und entdecken können. Inzwischen will er draußen kaum noch getragen werden, weil es viel interessanter ist selber alles erkunden zu können, aber es gibt diese Tage, da mache ich den Haushalt einarmig, weil er mir kaum vom Arm will (was echt anstrengend ist mit ca. 11 kg). Dann ist er sehr anhänglich und meistens auch weinerlich und muss irgendetwas verarbeiten. Am nächsten Tag will er vom Tragen wieder kaum was wissen.
    Er hat mittlerweile ein eigenes Bett in dem wir ihn zur Nacht betten, und er schläft dort besser in der ersten Hälfte der Nacht. Und in der Mitte der Nacht holen wir ihn in unser Bett. Manchmal schläft er auch die ganze Nacht bei uns, ganz nach seinem Rhythmus. Er entscheidet es selbst, ob er in seinem Bettchen oder bei uns schlafen will und es klappt wunderbar. Dazu sei gesagt, das Bettchen steht bei uns im Schlafzimmer, neben mir. Also ganz nah bei uns. Ihn in ein eigenes Zimmer verfrachten? Nein, auf keinen Fall.
    Es gibt so viele Ratgeber zum Thema schlafen, frühkindliche Entwicklung und was man machen SOLL und MUSS. Denn nur dann würde sich das Kind RICHTIG entwickeln. Ich finde man kann sich zwar Anregungen holen, aber man sollte sich als Mutter auf die eigene Intuition verlassen DÜRFEN und ich finde Du machst das wunderbar. Und wenn Du es nicht wunderbar machen würdest, könnte der Zwergi auch noch lang nicht krabbeln (ich kenne Babies, die mit fast einem Jahr nicht krabbeln oder sich hochziehen können).
    Lass Dich nicht verunsichern, Du machst das toll!
    Liebe Grüße, die Koboldmama

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