Unvollkommen

Auf den Streifzügen durch die Welt, mag ich es besonders, Dinge zu sehen, an denen man sonst gerne vorbei geht. Und ich Fotografiere sie gerne… dabei fällt mir auf, dass es häufig unvollkommene Dinge sind, die meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen, und die, gerade weil sie unvollkommen sind, so wunderschön sind.

Die Schönheit im Imperfekten…

Künstler sehen sie und setzen sie um, sie schreiben Gedichte und Geschichten darüber, machen Fotos und wir stehen staunend davor.
Doch was ist mit uns selber??

Kannst du dir vorstellen, dass du noch schöner bist, wenn du unvollkommen bist?
Nein, auf die Idee kommen wir wohl eher selten. Denn der innere Kritiker treibt uns an, immer mehr zu geben, immer besser zu sein. Wir haben Angst zu versagen, weil wir es uns nicht erlauben, unperfekt zu sein.

Pilze und Moos

Das letzte Jahr hat mich viel gelehrt… über meine Ansprüche, die ich an mich selber und an andere stelle, über Erwartungen und Selbstkritik… und wie sie einen auf fressen können.

Ich habe mir nicht erlaubt, die Enttäuschung zu fühlen, die so stark war, dass ich nicht spontan gebären konnte. Ich habe das nie betrauert. So wie viele andere Gefühle, die ich nicht zu gelassen habe – mir selber nicht erlaubt habe zu fühlen… und mir dann auch selber nicht bei stehe, sondern eher Druck auf mich aus übe – wenn dies schon nicht geklappt hat, dann muss aber X dafür klappen…
Meine Freundin hätte ich umarmt und ihr liebevoll Zuspruch gegeben… und mir selber verwehre ich das…?

Ich möchte das ändern. Ich möchte die Schönheit in mir sehen, die mich unvollkommen Vollkommen macht. Ich möchte es mir ermöglichen, mich selber durch meine Kamera sehen, und die Schönheit erkennen, die ich selber so sehr schätze – die die Dinge interessanter macht.
Ich möchte nachsichtig mit mir sein, und mich eher durch Freundlichkeit und Wohlwollen ermutigen – schließlich mache ich das auch bei meinem Sohn – ich schaffe ihm Sicherheit, durch Zuwendung! Und ich möchte mich mir selber zu wenden:

Wenn ich also das nächste mal denke, ich würde etwas nicht richtig/perfekt/gut genug machen, dann möchte ich mir sagen, dass es in Ordnung ist. Es ist völlig richtig, wenn ich nicht perfekt bin – und es ist in Ordnung, wenn ich dann traurig/wütend/enttäuscht bin. Diese Gefühle gehören zu mir und zu allen Menschen… Ich stehe nicht alleine damit auf weiter Flur – Ich bin richtig! (Und du auch!)

Ich gebe mir die Erlaubnis vollkommen unvollkommen zu sein.

Wie geht es dir?
Kannst du sanft und freundlich mit dir selber umgehen?
Oder geht es dir ähnlich?
Wie gehst du damit um?

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10 Kommentare zu „Unvollkommen

  1. Perfekt. Hmmm in einer Gesellschaft leben in der die Perfektion angestrebt und gelebt wird ist es schwer die Unvollkommenheit zu würdigen. Ich sehe das wie du. Augen auf und auch die „Nichtigkeiten“ erkennen und hervorheben. Für mich,
    ist alles Vollkommen auf seine weise. Alles tragt zum Gesamten bei.

    1. Du hast recht.. es ist schwer in dieser ach so perfekten Welt. Dabei sibd wir alle nicht perfekt, im Sinne der Gesellschaft. Aber im Sinne des inneren höheren Wesens sind wir es… wir dürfen es erkennen ♥

  2. Oh ja, ich kenne das ! Es ist schwer, eine gute Mitte zu finden ! Ich war schon immer sehr ehrgeizig und wollte alles am liebsten perfekt machen (wieso eigentlich ?), eine „saubere“ (oder besser aufgeräumte) Wohnung, gute Ernährung, mit den Kindern alles „richtig“ machen, eine gute Zuhörerin sein, in der Ausbildung gut (sehr gut !) zu sein, sich immer kümmern, um alles und jeden (Kinder, Mann, Tiere, Haus und Hof)…nur eines habe ich letztendlich immer mehr vergessen – mich ! Mich zu akzeptieren mit meiner Unvollkommenheit ! Der Preis dafür, am Dienstag hatte ich einen Zusammenbruch (es kamen noch ein paar andere Sachen dazu), letztendlich kann ich nun „einfach“ nur zur Ruhe kommen, Dinge liegen lassen, auch mal NEIN sagen, denn diese Warnung sollte man einfach nicht mehr übergehen ! Ich kenne das, im Außen siehst Du so viel schönes, ich war gestern erst wieder im Wald (was mich immer erdet und mir so gut tut), Du siehst das Schöne, wie einfach es doch ist ! Und ich denke auch, es ist die heutige Gesellschaft, die enorm hohe Ansprüche hat ! Viel zu hohe Ansprüche ! Es liegt an uns daraus auszubrechen bzw. einen Strich darunter zu ziehen, zu sagen: „Mit mir nicht !“…..wenn das nur alles so einfach wäre ! Es steckt so viel in uns, uns das muss nicht perfekt sein ! Alles Liebe für Dich, ich lese immer so gern bei Dir, komme nur nicht immer zum kommentieren !
    Liebe Grüße,
    Deine Birgit

    1. Liebe Birgit,
      ich hoffe du nimmst deine Warnung ernst und richtest deine Aufmerksamkeit nach Innen – was brauchst du jetzt? Welche Träume hast DU?
      Ich freue mich, dass meine Beiträge dich berühren – und freue mich über jeden deiner Kommentare – aber du musst hier nichts leisten – ergo, bitte ich dich, einfach dann zu schreiben, wenn es sich für dich stimmig an fühlt.
      Ich gebe dir die Erlaubnis, einfach „nur“ lesen zu dürfen ^^

      Deine Wölfin

  3. Liebe Wölfin,

    ein schöner und darüber nachdenkenswerter Eintrag.

    Zu oft streben wir nach Vollkommenheit, vergessen uns selbst und erleben eine Bauchlandung par excellence.

    Schön, dass du unsere Unvollkommenheit hervorhebst und uns zeigst, dass sie eigentlich ein toller Helfer ist.

    Da ist man doch gerne unvollkommen :0)

    Liebe Grüße
    Sjel

    1. Sei wilkommen, unvollkommen…
      Ich denke, ich sollte eine Gruppe gründen:
      Die Unvollkommenen
      ^^
      Dort sprechen wir dann über unseren Wunsch nach perfektionismus, und wie wir uns näher an unser wahres ich heran tasten können, dann hören wir auf nach etwas zu streben, was wir nicht sind…

  4. Sei gegrüßt, liebe Wilde Wölfin!

    Auch ich gehe nicht immer gut mit mir um. Einerseits möchte ich einzigartig sein, anders als andere Menschen. Da bin ich glücklich drüber, dass ich unverwechselbare Eigenschaften habe, wie ich mich verhalte, wie ich bin gefällt mir dann.
    Aber es reicht schon, wenn mein Tag einmal nicht ganz so gut lief. Dann bin ich traurig, kann nicht in den Spiegel sehen und finde einfach alles an mir blöd und hässlich.
    Unvollkommenheit aber ist unglaublich wichtig. Perfektion erreichen zu wollen ist eine echte Verzweiflungstat. Ehrgeiz ist gut und er spornt uns an, sorgt dafür dass wir am Ball bleiben. Zuviel davon macht mich unzufrieden und mäkelig.

    Ich möchte freundlicher zu mir sein, mich gut behandeln und lieb zu meinem Körper und meiner Seele sein. Dafür gibt es bei mir Seelenstreichler und zum Glück habe ich Menschen, die mich aus meiner Selbstkritik zurück holen.

    Vielen Dank für diesen Eintrag!

    Deine Katzenwölfin

  5. Liebe Wilde Wölfin,
    vielen Dank für diesen Post, der mir aus der Seele spricht. Auch ich stolpere in letzter Zeit immer wieder über das Thema (Un-)Vollkommenheit. Wenn es um die eigenen Ansprüche geht – an andere und noch viel mehr an mich selbst. In den letzten Jahren konnte ich einige davon loslassen. Und doch hadere ich noch oft mit mir, wenn etwas schief läuft, ich Fehler mache. Wenn ich mich vergleiche und andere für schöner, leistungsfähiger, geschickter halte… Dann erinnere ich mich an 2 Sprüche, die an meiner Pinnwand hängen: „Lieber unperfekt machen als perfekt bleiben lassen“ (habe ich mal in einem Seminar aufgeschnappt) und „Imperfection is beautiful“ – eben so, wie die Dinge am Wegesrand, ja !
    Wenn wir alle perfekt wären und handelten, wäre das Leben und die große weite Welt schrecklich gleichförmig und langweilig ! Es gäbe keine Unterschiede und auch keine Herausforderungen und Entwicklungen mehr. Denn wer immer alles sofort perfekt macht, der hat nichts mehr zu lernen. In diesem Sinne ist der eigene Gedanke des „Besser machen wollens“ auch nicht ganz zu verteufeln, denn dieser Wunsch nach Vervollkommnung stellt uns immerhin vor Aufgaben und
    ermöglicht, dass wir uns überhaupt auf den Weg machen. Er sollte eben nur den eigenen Gesetzen gehorchen dürfen. Und auf zuvielen Baustellen zugleich kann auch niemand arbeiten – manches bleibt einfach unfertig ! Im Hexengeflüster-Blog deiner Kumpelinin fand ich das wunderbare Wortspiel „Be-you-tiful“, an das ich nun oft denke. Und dieses ganz „man selbst sein“ – sich selbst so lassen wie man ist, und damit los lassen, frei lassen, was wiederum ge-lassen macht… – diese Selbstliebe beginnt – oder endet – eben gerade bei den eigenen Unzulänglichkeiten. Diese machen einen aber (ohne dass man es ahnt) liebenswert und menschlich !
    Es ist der Schatten, den jedes Licht in dieser Welt der Polaritäten nun mal wirft.
    Habe sogar mal ein Buch mit der folgenden These gelesen: Am Anfang war alles eins und vollkommen. Die Schöpfung, das Universum wie es ist, aber entstand, als Gott (oder „Alles-das-was-ist“) sich in dieser Perfektion zu langweilen begann. Dann erschuf er dieses Spiel, das wir alle hier spielen, um sich selbst in seiner Vielheit, seiner Viel-falt und Ent-faltung zu erfahren. Und die wird nur möglich durch Unterschiede, Gegensätze und Unvollkommenheiten… an denen wir uns ja auch gegenseitig reiben und damit entwickeln. Zugegeben sehr große Gedanken, wenn man mit den eigenen kleinen Fehlern hadert. Aber sie trösten mich zuweilen.
    So wie deine Posts, liebe Wölfin ! Deine Affirmation „Ich gebe mir die Erlaubnis vollkommen unvollkommen zu sein.“ ist einfach wunderbar !
    Und nun schicke ich schnell diesen Kommentar ab, bevor mein innerer Kritiker weiter nörgeln kann, dass er zu lang und philosophisch sei. Und dass ich lieber öfter kürzere Kommentare posten sollte… So bin ich eben, muss ich mir eingestehen, etwas weitschweifig, assoziativ und nicht sehr beständig… 😉

    Alles Liebe auf deinem wilden Weg, der mich immer inspiriert…

    Vilwarin

  6. Hallo Wilde Wölfin, ich habe durch Zufall deinen Blog gefunden und was sehe ich da? Themen die mich aktuell auch sehr bewegen. Das Thema sich so zu mögen wie man ist und gerade weil man seine Ecken und Kanten hat, liebenswert und schön zu sein. Ein Prozess in dem ich mich seid dem letzten Sommer befinde. Ein stetes Wachsen und sich erkennen. Ich werde nun noch weiter in deinem herrlichen Blog schmöckern, liebe Grüße und ein schönes Wochenende, Roveena

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