Tabuthema: Unglückliche Mutterschaft

Darf man in seiner Mutterrolle unglücklich sein? Darf man sich selber wünschen, keine Mutter mehr sein zu wollen? oder schlimmer noch: Wenn man die Möglichkeit hätte, sich noch einmal zu entscheiden, sich gegen die Mutterrolle zu entscheiden?

Oft bekommt man von der Gesellschaft, der Familie und von anderen Müttern ein klares: „Nein“ verpasst. Mütter, die so etwas „schreckliches“ sagen, werden geächtet! Natürlich kennen die meisten Mütter diese Tage, an denen man die Kleinen auf den Mond wünscht – wo man sich wünscht „einfach mal seine Ruhe“ zu haben – und für ein paar Stunden/Tage aus der Mutterrolle zu schlüpfen.

Aber was ist, wenn es Mütter gibt, die sich wünschten, ganz aus dieser Rolle aus zu steigen? Die aber auch von sich sagen, dass sie ihre eigenen Kinder lieben?

Wahrscheinlich werden diese Mütter hier nicht drauf antworten, denn das Risiko ist doch viel zu groß… warum sind sie denn dann schließlich Mütter geworden? Ich bin so dankbar, dass ich am Wochenende diesen Beitrag in der Süddeutschen Zeitung gelesen habe, denn es ist einer der wenigen ehrlichen Beiträge über dieses Thema.

Ich denke, eine Reaktion auf diesen Zwiespalt könnte eine postpartale Depression sein, an die eine beträchtliche Anzahl an Frauen leidet – man wollte Mutter werden, man wollte dieses Kind haben – und muss dann fest stellen, dass man nicht für diese Rolle gemacht wurde. Was jetzt?

Einen Job, der nicht für einen geeignet ist, kann man wechseln oder beenden. Man kann sich von seinem Partner trennen, wenn man fest stellt, dass er doch nicht der Mann für´s Leben ist… diese Dinge weiß man auch erst, wenn man drin ist! Was macht man als Mutter, wenn man merkt, dass man nicht geeignet ist?

Im besten Fall arrangiert man sich irgendwie damit, aber wenn nicht? Dann wird man im schlimmsten Fall krank und unglücklich.

Es ist in Ordnung, wenn du nicht glücklich bist! Es ist in Ordnung, wenn du das Gefühl hast, in einem Albtraum zu sein. Verurteile dich nicht dafür! Stehe dazu und suche dir Hilfe! Ich weiß, dass du eine gute Mutter bist, auch wenn du dich in einem anderen Leben, anders entschieden hättest.

Ich möchte mit diesem Beitrag ander Mütter darum bitten, euch nicht gegenseitig zu verurteilen, oder für andere zu definieren, was es heißt, eine „gute“ Mutter zu sein. ich möchte, dass ihr gerade für die da seid, die es nicht so leicht haben, wie ihr. Denen es nicht „leicht von der Hand“ geht. Helft ihnen, unterstützt sie und verurteilt sie nicht, denn sie kämpfen jeden Tag mit ihren inneren Dämonen, die ihnen sagen, das sie nicht gut genug sind.

Wir könnten so viel bessere Mütter sein, wenn wir auch anderen eine gute Mutter sind, was auch immer das bedeutet – für mich zumindest, nicht zu urteilen, unterstützen, Hilfe anbieten, und anderen sagen, dass sie nicht alleine sind!

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6 Kommentare zu „Tabuthema: Unglückliche Mutterschaft

  1. Hallo Wilde,

    ja es ist ein heikles Thema. Ich bin gerne Mutter und das schon seit 25 Jahren. Das mal vorneweg. Ich liebe meine Kinder, so wie sie sind und das ist nicht immer einfach. Sind Eltern/Mütter für Kinder auch nicht. Und ich habe mich für jedes meiner Kinder bewusst entschieden, auch als ich bereits alleinerziehend war.
    Ich habe schwere Phasen von Depressionen hinter mir, vor allem jetzt während ich mein jüngstes Kind groß ziehe. Die Depressionen haben nichts mit meiner Mutterschaft oder irgendeinem Kind zu tun.
    Ich kenne Phasen da fällt mir das Mutter sein , sehr schwer. Je älter ich werde. Ich bin auch streckenweise „erziehungsmüde“ .
    Das nützt aber nichts, denn wie Du schon schreibst, den Job kann man nicht wechseln. Es gibt keine Kündigungsfristen . Meine Mutter ist immer noch Mutter und sorgt sich um ihre „alte“ Tochter, auch wenn sie nicht mehr für mich verantwortlich ist.
    Ich wünsche meinen Töchtern den Mut , dass sie , wenn sie Kinder wollen, sich auch trauen Kinder in diese Welt zu setzen. Und das sie Frauen werden, die andere Frauen „leben“ lassen, wenn sie einen anderen Lebensplan im Bezug auf Mutterschaft haben , als sie selbst.

    Jede(r) liebt und lebt auf seine Weise.
    Wir sind schnell bereit zu urteilen.
    Das Problem ist, dass wir nicht in den Schuhen der anderen laufen. Und darum nicht wissen, wo es drückt.

    Dir einen schönen Tag.
    die Sammlerin

  2. Hallo Ana!

    Ein interessantes Thema, das Du hier ansprichst. Nachdem ich die meiste Zeit meines Mutterseins alleinerziehend war/bin, habe ich mir diese Frage sehr oft gestellt.

    Vor allem in Zeiten, wo Entscheidungen anstanden, es meinen Kindern gesundheitlich nicht gut ging, ich mich ohnmächtig und hilflos fühlte, habe ich oft gedacht „hätte ich doch nicht…“

    Je länger ich über Deinen Beitrag heute nachdenke, desto mehr bin ich zu dem Punkt gekommen, dass es bei mir um die Verantwortung für einen anderen Menschen geht. Ich wollte nie alleine für 2 Kinder verantwortlich sein, ich wollte die Verantwortung teilen. Ich wollte mich in schwierigen Situationen nicht ständig fragen „was habe ich falsch gemacht“.

    Mein Kinder sind inzwischen erwachsen und es ist leichter für mich geworden, weil ich die Verantwortung an sie übergeben konnte. Daher weiß ich jetzt, dass das auch wirklich der Punkt ist für mich.

    Es ist unkomplizierter geworden dadurch und leichter.

    Ziemlich sicher ist das Problem daraus entstanden, dass der Vater seine Rolle nicht eingenommen hat. Ich wollte nie alleine Kinder groß ziehen.

    lg
    Maria

  3. Hallo WildeWölfin,
    ich finde es prima, dass du das Thema ansprichst. Denn Elternschaft gehört einfach zu den Dingen, die man vorher noch nicht kennen kann und vorher noch nicht wissen kann, ob und wie man damit klar kommt. Was Maria anspricht, ist ein ganz wichtiger Punkt. Ich wollte die Verantwortung auch nie alleine teilen und muss es glücklicherweise auch nicht. Ich muss auch ehrlich zugeben, dass ich nie den ganzen Tag kinderbetreuend zu Hause sein könnte. Das sind Punkte, die kann man mit externer Betreuung und dem Kindersvater bestenfalls gut kompensieren und dann macht das Muttersein auch Spaß. Alles, was in Richtung Depression geht, muss von der Gesellschaft ernst genommen und nicht geächtet werden.

    Viele Grüße,
    Marlene

  4. Liebe Ana,
    Es ist wirklich erleichternd, diesen Beitrag zu lesen. Ich bin zwar keine Mutter aber ich gehöre zu denen die gar keine werden wollen. Schön mal zu lesen, dass das doch gar nicht so schlimm ist.
    Was die bereuenden Mütter angeht war mir persönlich nicht klar, dass dieses Phänomen tatsächlich so weit verbreitet zu sein scheint. Ich finde es furchtbar, dass diese Mütter fast keine Möglichkeit haben, aus dieser Rolle aus zu brechen. Denn wie du sagst, vorher kann man es kaum wissen und hinterher ist es zu spät.
    LG, Zombie

  5. Hallo
    Wirklich schön, daß durch diese Studie mal solch Gedanken ausgesprochen werden können.
    Ich bin grad in einer solchen emotionalen Zwickmühle. Ich bin oberglücklich verheiratet, vergöttere meinen Mann geradezu und werde auch für ihn zur Göttin. Ich bin mit meinem Leben zufrieden, wenn ich zurückschau, kann ich sagen: alles richtig gemacht.
    Doch seit paar Jahren befassen wir uns mit dem Kinderthema. Ich war schon immer fast nur mit Angst an den Gedanken an Nachwuchs rangegangen. Doch jetzt hör ich tatsächlich meine biologische Uhr ticken und die meines Mannes tickt noch viel lauter. Also wenn, dann jetzt. Dummerweise funktioniert es bei uns nicht. Wir sind in Behandlung zur künstlichen Befruchtung. Und gerade hier kommt mein Zwiespalt:
    Ich nehme all diese Qualen auf mich (und jeder, der schon man eine icsi hatte,weiß von was für Schmerzenund Seelenqualen ich spreche) und doch, wenn mich einer Fragen würde, ob ich mich auf das Muttersein freue, kann ich entschieden mit Nein antworten. Weder auf Schwangerschaft (da sieht man aus wie ein Nilpferd!), nicht die Geburt (der Willkür inkompetenter Ärzte bin ich jetzt schon genug ausgeliefert) und alles was folgt erst recht nicht! (Zwischen Windeln und babybrei soll man glücklich werden? Ist das euer Ernst?) jeder den ich bisher gefragt habe, sagte, ein Kind verändert dein Leben komplett. Doch ich bin glücklich mit meinem Leben, warum sollte ich es dann komplett ändern wollen?
    Keiner in meiner Umgebung (weder Freunde noch Familie) kann dies verstehen und ja, von anderen Müttern wird man bereits für die Andeutung eines Gedankens verurteilt und für verrückt erklärt. Vorfreude ist absolute Pflicht!
    Mein Mann mag sich mit diesem Thema nicht auseinandersetzen, er ignoriert es, solange ich ihn lasse.
    Warum ich mich trotzdem auf eine Künstlich Befruchtung einlasse? Zum Teil meinem Mann zuliebe, zum Teil weil ich es selbst will. Doch ein anderer Teil von mir winkt entschieden ab. Am besten wäre, wenn man das Muttersein mal zur Probe ausprobieren könnte und dann bei Nichtgefallen umtauschen kann. Ich bin mich überhaupt nicht sicher, ob das Muttersein wirklich was für mich ist.

    Auf eure Kommentare zu diesen Zeilen bin ich sehr gespannt.

    1. Danke, dass du so offen und mutig bist, dies nicht nur mit uns zu teilen, sondern auch einen Austausch möchtest.

      Auch wenn du bereits schon begründet hast, weswegen du dich für ein kind entschieden hast, kann ich es dennoch nicht verstehen. Ich würde nicht ein Kind für meinen Partner bekommen wollen, denn ich soll dann die Mutter sein. Ergo trage ich eine riesige, besonders emotionale Verantwortung, die nachweislich Einfluss auf das Leben meines Kindes hat.
      Ja, ein Kind verändert das komplette Leben – nichts bleibt, wie es ist. Und das ist nicht immer leicht.

      Und da du schon jetzt daran zweifelst, ob das Muttersein etwas für dich ist, möchte ich dich motivieren, dir deine Motive wirklich noch einmal an zu sehen…
      Warum willst du das?
      Was erhoffst/versprichst du dir davon?
      Was erwartest du?

      Ich kann mir auch vorstellen, dass diese Zweifel – das „Hin und Her gerissen sein“ es außerdem auch schwieriger macht, schwanger zu werden, als wenn man für sich selber klar ist.
      Bist du innerlich bereit, dein altes Leben hinter dir zu lassen und auf ein neues Abenteuer zu gehen, ohne zu wissen, was da auf dich zu kommt?

      Ich bin gespannt und ehre noch einmal deinen Mut und freue mich sehr auf diesen spannenden Austausch

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