Der Babadook – Gedanken zum Film

Ich mag keine Horrorfilme – ich komme mit der gezeigten Gewalt nicht zurecht und ich grusel mich. Normalerweise ist dies genau das Ziel eines solchen Filmes, und man schaut sie genau deswegen. Ich kann das kaum ertragen und schaue sie nicht an. (Zombiefilme sind grenzwertig, falls es jemanden interessiert)

Wie komme ich also dazu, etwas über einen Horrorfilm zu schreiben?

Weil hier ein Thema aufgegriffen wird, was so gut wie nie angesprochen wird – eine fragile Mutter-Kind-Beziehung.

Interpretation zum Film

Am Tag der Geburt ihres Sohnes Samuel, stirbt Amelias Mann bei einem Verkehrsunfall. Dieses traumatische Erlebnis, äußert sich in einer ambivalenten Beziehung zu ihrem Sohn. Auf der einen Seite bemüht sie sich eine gute Mutter zu sein, auf der anderen Seite lehnt sie ihren Sohn ab (Quelle: Interview mit Regisseurin)

Ihr Sohn wirkt generell „schwierig“ – er hat besondere Interessen, scheint nicht wirklich sozial integriert und hat häufig Albträume, die ihn dazu veranlassen, sich Waffen zu bauen, die er dann auch mit in die Schule nimmt. Er ist „anders“ – und damit um zu gehen, fällt Amelie nicht leicht. Er und ihr Job (Altenpflegerin) entziehen ihr jegliche Energie, und sie hat selten die Möglichkeit, etwas für sich zu tun und ihre Kräfte zu revitalisieren.

Diese finsteren Gedanken, die sie gegen ihren Sohn hat, lehnt sie natürlich ab, bzw. versucht sie zu verdrängen (welche Mutter möchte sich selber schon eingestehen, ihr Kind ab zu lehnen), aber sie manifestieren sich in der dunklen Gestalt des Babadook, der nach und nach Besitz von der Mutter ergreift, und sie dazu bringen will, ihren Sohn zu töten.

Jennifer Kent hat es in ihrem ersten Film geschafft, die Szenen so zu gestalten, dass man selber diese Ambivalenz in sich selber spürt. Man weiß, um die Unschuld des Kindes – und natürlich möchte man, dass ihm nichts geschieht – und auf der anderen Seite tauchen diese fürchterlich finsteren Gedanken auf – wenn das Kind in einer Szene so sehr nervt, dass man als Zuschauer das Bedürfnis bekommt, dem Kind eine zu kleben.

Ich denke, das besondere an dem Film ist, diese besondere Beziehung, die zwischen Mutter und Kind besteht an zu tasten – und ein Tabuthema in Szene zu setzen.

Und welche Mutter kennt nicht die negativen Gedanken, dass das eigene Kind nervt? Hier wird man als Mutter mit der eigenen Schattenseite konfrontiert – ein Horror der wirklich unter die Haut geht. Grusel ohne viel Gemetzel (leider kommen ein paar Gewaltszenen drin vor).

Außerdem erinnert mich der Film sehr an das Spiel mit der Angst. Ich weiß, dass man früher erzählt hat, dass „der schwarze Mann“ im Keller wohnt – ich selber gruselte mich als Kind vor dem Keller (obgleich man mir nie damit Angst gemacht hatte) – es erinnert mich auch an das Lied:

„Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“

Was ist, wenn der „schwarze Mann“ aber die dunkle Seite in der eigenen Mutter ist? Und, haben wir die nicht alle?

Fazit:

Ein gelungener Film, der einen anregen kann, sich seine eigene Schattenseite bewusst zu werden, und der zeigt, dass es besser ist, sich mit ihnen zu befassen – sich ihnen zu stellen, damit man nicht von ihnen eingenommen wird.

Hast du den Film schon gesehen? Was denkst du darüber?

(alle Bilder dieses Beitrages stammen aus dem Film „The Babadook“ by Jenny Kent und unterliegen ihrem Copyright)

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5 Kommentare zu „Der Babadook – Gedanken zum Film

  1. Ich habe von dem Film schon öfter gehört und möchte ihn sehen, da ich mir eine gewisse psychologische Tiefe verspreche. Normalerweise schaue ich nur selten Horror-Filme (das Splatterzeug eher gar nicht). Mir geht’s da wie dir.

  2. Ich habe auch lange über den Film nachgedacht und es dauerte, bis ich wirklich verstand, was gemeint war. Dann kam die Erkenntnis allerdings wie ein Schlag mit dem Hammer. Ich finde besonders die Szene herausfordernd, die zeigt, wie man sich wieder und wieder „den inneren Dämonen“ stellen muss und dass es nicht einfach von selbst verschwindet.

  3. „man weiß um die unschuld des kindes“…mal vom natürlichen, angeborenen agressionstrieb gehört, dessen ziel die zerstörung oder verletzung einer person oder sache ist? herr der fliegen gelesen? kinder sind weder schuldig noch unschuldig weil dafür der iq/ die entwicklung gar nicht da ist…

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