Werdet wie die Kinder

Füßchen

„Werdet wie die Kinder!“ – Matthäus 18.3 –

Zweieinhalb Jahre bin ich nun Mutter und Schülerin eines wahren Meisters. Ich darf erkennen, wie richtig diese Aussage Jesu in der Bibel doch ist – und ich bin ganz ergriffen von der Gnade, von meinem Sohn gelehrt zu werden, was im Leben wirklich wichtig ist. Viele Dinge fallen mir noch schwer um zu setzten, einiges geht mir leicht von der Hand – und ich möchte seine Lehren teilen, weil sie so wichtig sind für ein wundervolles Leben. Mein größter Wunsch ist es, als Mutter, ihm diese Qualitäten zu bewahren, damit er sie nutzen kann, wenn er erwachsen ist (und vieles vergessen hat)

* an das Gute glauben

ich erinnere mich an meine Kindheit, in der ich ganz naiv an das Gute geglaubt habe – an das Gute in jedem Menschen, an das Gute im Leben – ich denke, ein wenig Naivität hilft uns, unser Leben positiv zu betrachten – dann gibt es kein schlechtes Wetter – nur schlechte Kleidung 😉

* Gefühle wahr nehmen

Der Zwerg liebt es, Gefühle aus zu probieren – er kündigt dann an, dass er nun böse/gut/traurig ist, und setzt es dann um. Für ihn haben ist keins „gut“ oder „schlecht“ – sie sind einfach! Wir können lernen, unsere Gefühle einfach wahr zu nehmen, ohne sie zu werten – und ohne uns damit zu verurteilen.

Wichtig ist hier, dass wir unsere Kinder nicht verurteilen – Wut ist schlecht und „Nett sein“ gut – so prägen wir das Gefühl für den Rest des kindlichen Lebens (welche Gefühle sind für dich gut/schlecht – und warum?)

* (Ur-)Vertrauen in das Leben

Mein Kind vertraut darauf, dass es mit allem versorgt wird, was es braucht (ich meine hier nicht das 100.ste Spielzeug oder Süßes) – es hat keine Angst davor, dass es mal nichts zu essen bekommt oder keine Liebe (und ich bin unsagbar dankbar darüber, ihm das zu ermöglichen).

Ich lerne daraus, dass es in Ordnung ist, das Geschenk der Hilfe anderer an zu nehmen – und um Hilfe zu bitten. Und ich lerne, dass ich mich einer größeren Macht anvertrauen darf – ich darf darauf vertrauen, dass das Leben/Gott/wie auch immer für mich sorgen wird.

* Faszination Welt

Alles ist spannend und will erforscht werden. Alles muss erfahren werden – jedes kleinste Detail gesehen werden.

Wann hast du zuletzt einen Baum mit den Augen eines Kindes betrachtet? Eine Pfütze untersucht? Lass dich faszinieren von der Schönheit unserer Erde

* Langsamkeit

Der Zwerg hat Zeit – ohne Ende (auch wenn ich sie grad nicht habe) Die Tage sind lang und bieten genug Platz – jede Sekunde wird vergnügt vergeudet. Tausend mal den Sand von A nach B schütte, zusehen, wie das Wasser im Sand versickert… Achtsamkeit pur.

Wenn wir mehr Augenblicke wach erleben (achtsam), er-leben wir mehr (wir bekommen dann das Leben mal mit)

* nicht aufgeben

Kinder lernen durch Fehlschläge – sie lernen stehen/laufen durch fallen – klettern durch abstürzen… und machen weiter!

* Religösität

Ich erinnere mich noch ganz genau daran, wie sehr ich als Kind an „Gott“ geglaubt habe. Für mich war völlig klar, dass es etwas gab, was größer war als alles auf dieser Erde – etwas, was in allem ist, was lebt. Ich wusste, dass ich daher kam – da gab es nur Liebe – und dass ich irgendwann auch dahin wieder gehen werde. Ich war von Kirchen fasziniert – dort war die Heiligkeit des Lebens zu spüren, die oft im Außen fehlte…. und ich sehe, wie mein Sohn von meinem Altar – von Kirchen und vor Ritualen be-geistert ist.

Mein Sohn lehrt mich, mein Herz zu öffnen, meine ganzen alten Verletzungen noch einmal an zu sehen, und mir selber erlauben, zu heilen.

Seine Liebe ist so vollkommen und echt, sie verzeiht und nimmt mich so an, wie ich bin. Was für eine Gnade es ist, von einem Kind geliebt zu werden – und was für eine große Verantwortung doch in meinen Händen liegt, diesen Schatz zu wahren.

Ich gebe zu, dass es mir Angst macht – ich habe Angst zu versagen, ihn nicht richtig zu behandeln, ihn nicht genug zu lieben. Mir fällt es sehr schwer, mir meine eigenen Fehlschläge zu vergeben – und bete darum, schnell zu lernen, schnell zu wachsen, um eine gute Mutter für ihn zu sein.

Danke, dass du da bist.

 

 

 

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8 Kommentare zu „Werdet wie die Kinder

  1. Wow.. ich glaube das ist für mich der schönste Post, den ich jemals gelesen habe!
    Er gibts genau das wieder, was auch ich meiner Kleinen gegenüber empfinde und was dieses wunderbare, noch so rein Geschöpf mich doch tagtäglich lehret..
    Unfassbar schön… Man wird fast ehrfürchtig vor Liebe und Demut nicht wahr?
    Es ist das größte Geschenk das Mimi in mein Leben trat und ich an Ihrer Seite sein darf einen Weg lang.
    GLG, MamaMia

  2. Ich habe zwar nicht alles gelesen, weil meine Aufmerksamkeitsspanne im Moment eine sehr kurze ist 😉 – aber was ich gelesen habe, spricht mich mal wieder sehr an. 🙂 Die wesentlichen Inhalte – sich mehr Zeit lassen, ausprobieren und nicht soviel der Angst nachgeben. *g* Ich fange schon wieder an, Reden zu schwingen. ,)

    Sommerliche Grüße an dich und deine Familie.

  3. Apropos Gefühle – Wut finde ich gar nicht so schlecht, sie gibt eine Menge Energie für sich selber einzustehen. Die Kraft für sich selber einzustehen. Also wenn ich eher ein negatives Gefühl benennen wollte, dann wäre es Haß (!) und das Gefühl, in eine Erwartungsecke gedrängt zu werden.

  4. Ich finde, zu verzeihen ist ebenso eine großartige Fähigkeit, die wir von Kindern lernen können: Aus vollem Herzen ja zu sagen zu jemandem. Unperfekt, unfertig wie er/sie sein mag. Verzeihen, vergeben, von Neuem beginnen. Nach einem Streit, einer Verletzung trotzdem noch und wieder „Ja!“ sagen und lieben.

  5. Kinder leben die Ursprünglichkeit. Sie verfügen über Fantasie und genauer Beobachtungsgabe, sie leben die Natur und Intuition. Leider verblassen diese Gaben mit dem älter werden und machen den gesellschaftlichen Prioritäten immer mehr Platz. Leider. Dein Post ist soooooo wunderbar und spricht auch mir aus der Seele.

  6. Wundervolle heimliche Liebeserklärung und gleichzeitig eine wahrhaft tolle Möglichkeit, noch einmal wachsamer zu sein, als man es in den Jahren zwischen Teenager und Mutter sein wahrscheinlich getan hat. Unbewusst tut man die kleinen Dinge, aber so schwarz auf weiß, wird man sich dessen doch noch ein wenig mehr bewusst!

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