Warum es so wichtig ist, „Nein“ zu sagen

Eigentlich…

Mal eben noch x oder y erledigen bevor man sich die Pause gönnt, die man eigentlich so dringend bräuchte…

Eben der Freundin helfen, obwohl man eigentlich etwas anderes tun wollte…

sich etwas gefallen lassen, obwohl man es eigentlich gar nicht will

„Ja“ zu etwas sagen, obwohl eigentlich alles in einem „Nein“ schreit

Eigentlich will man „nur“ gefallen – und das ist auch der Grund, warum man anderen „einen gefallen tut“ – aus Angst vor Ablehnung und „nicht mehr gemocht werden“. Dir wurde vielleicht auch schon früh beigebracht, dass man sich selber hinten an stellen muss, damit man in der Gesellschaft als „guter Mensch“ angesehen wird. Leute, die für sich selber einstehen, und „Nein“ sagen sind nicht sozial – und sie verärgern die Menschen, die alles von sich geben…

Wichtig sein

Wenn ich alles mit mir machen lasse, dann zeige ich auch, dass ich mich selber als „nicht so wichtig“ erachte – das mir andere wichtiger sind, als ich selber. Und dann bin ich vielleicht auch noch enttäuscht, wenn sie mich selber nicht für so wichtig erachten – denn schließlich habe ich alles gegeben… (und mich dabei völlig vergessen)

Wenn ich wichtig für andere sein möchte, muss ich das aber erst einmal für mich selber sein – und dazu gehört auch, Nein zu sagen, wenn ich etwas „eigentlich“ nicht will – oder noch schwieriger: Zu sagen, was ich will…

Ja, ich will…

Ich will mir selber der nächste sein, mich selber für wichtig erachten – und deswegen erkenne ich meine inneren Grenzen und sage „Ja“ zu ihnen. Es ist in Ordnung sich selber diese Pause oder Ruhephase zu gönnen, denn wenn deine Batterie leer ist, dann kannst du wahrlich niemanden helfen.

Ich entscheide mich also dafür „wahrhaftig“ hilfreich zu sein – und das kann ich nur, in dem es mir gut geht! Es ist also meine Pflicht, dafür zu sorgen, dass es mir gut geht, damit ich andern gut tun kann.

Mein Kind profitiert am meisten von einer gut gelaunten und ausgeruhten Mutter, denn nur so bin ich in der Lage, in meiner Kraft zu bleiben, Ruhe zu bewahren und ihn durch Emotionen und durch sein Leben zu begleiten.

Ein „Nein“ aus Liebe, ist ein „Ja“ zu dir selber

Schau dir einmal an, wo du immer wieder neigst, „Ja“ zu sagen, obwohl du eigentlich lieber „Nein sagen möchtest – und überprüfe einmal deine Beweggründe – warum stellst du dich nicht an erste Stelle? (Angst vor negativen Konsequenzen, Angst davor egoistisch zu sein (das ist ein absolutes „No-Go“, oder??) Angst vor Ablehnung (wir wollen alle akzeptiert &geliebt werden) oder erhoffst du dir dadurch etwas?)

Erlaube dir ganz bewusst „Nein“ zu sagen – es ist ok, wenn du x nicht möchtest. Du könntest dir sagen:

„Obwohl ich Angst habe „x“ zu sein, gebe ich mir die Erlaubnis auf mein inneres zu hören, und „Nein“ zu der Situation/x zu sagen.“ (z.B. Überstunden machen)

oder

„Ich kann nur anderen helfen, wenn es mir gut geht, deswegen ist es in Ordnung, wenn ich jetzt x mache/sage/tue“ (z.b. ausruhen)

Überlege dir, was du brauchst, damit es dir gut geht. Schreibe auf, was du gerne magst. Und dann tue jeden Tag mindestens einen Punkt auf dieser Liste. Du bist es wert!

Die Angst vor dem „Warum“

Auch wenn wir den inneren Beschluss gefasst haben, zu einem Thema „Nein“ zu sagen, fällt es uns dann doch nicht so leicht, es dann auch wirklich zu tun. Was macht man, wenn der gegenüber erstaunt fragt, warum wir so handeln? Oder noch schlimmer – uns Schuldgefühle machen will?

Du kannst im Vorfeld schon einmal Argumente zurecht legen, warum du dich für dich selber entscheiden möchtest – zum Beispiel, weil du schon so viele Überstunden angehäuft hast, oder bereits etwas anderes unternehmen möchtest (Verabredung mit Freunden zum Kaffee)

Ja, es kann durchaus vorkommen, dass andere dann enttäuscht sind – deine Entscheidung nicht verstehen oder sogar wütend werden. Aber das ist nur verständlich – denn du stehst plötzlich nicht mehr zur Verfügung. Du hast jahrelang immer Ja und amen gesagt – und dann wird es Leute geben, die davon nicht begeistert sind, wenn du plötzlich für dich selber einstehst.

Aber mal ehrlich:

Eine Beziehung/Freundschaft kann ein „Nein“ tragen – weil du dem anderen wichtig bist, und du genau so ein „Nein“ von seiner Seite akzeptierst. Sollte es anders sein, kann man sich fragen, ob diese Art von Beziehung dir dienlich ist – ob sie dir gut tut, dich fördert und unterstützt. Und wenn nicht… warum bist du dann da?

(auch das ist ein Nein)

Gestehe dir ein, dass du deine Grenzen hast, dass deine Batterie sich irgendwann und irgendwo wieder aufladen musst und dass es sich verdammt gut anfühlt, wenn man sich für sich selber entscheidet. Du bist es wert!

Sabrina Fox hat da einen wunderbaren Satz zu gesagt: „Du schließt deine Wohnungstür ja schließlich auch, und lässt nicht zu, dass andere da einfach ein und aus gehen, wie es ihnen gefällt. Tue das auch mit deinem Leben – siehe dich selber als „Heiligen Raum“ an, den es zu schützen gilt.“

Kannst du gut deine Grenzen erkennen und für sie einstehen? Wie überwindest du Ängste und/oder Schuldgefühle?

 

 

 

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4 Kommentare zu „Warum es so wichtig ist, „Nein“ zu sagen

  1. Wunderschön geschrieben! 🙂 Ich kann aus eigener Erfahrung (noch mitten im Prozeß zu lernen, daß gesunder Egoismus an sich nichts negatives ist und man nur als Person wahrgenommen wird, wenn man nicht immer nur das „willige Helferlein“ ist) noch ergänzen, daß es dauert, bis sich etwas ändert. Die Verhaltensweisen sitzen zu fest. Im Prinzip muß ich bei jeder Entscheidung schauen „Ist es wirklich das, was ich will, oder gehe ich bei einer Zustimmung nur den vermeintlichen Weg des geringeren Widerstandes?“. Aber gerade in den Situationen, wo man sich gegen das Anliegen der anderen Person entscheidet, merke ich dann, inwiefern sie mich respektiert.

  2. Wichtiges Thema!! Meine Mutter ist genau so wie Du es beschreibst… hilft überall und will es jedem recht machen… aber um sich selbst kümmert sie sich NIE, obwohl sie Möglichkeiten hätte.
    Schon seltsam.
    Ich bin da (leider?) ganz anders: „Egoistisch“ könnte man meinen. Aber ich denke auch, ich kann einfach auf mich aufpassen. Dass man damit aber häufig in „der Gesellschaft“ aneckt, habe ich oft erfahren müssen und tue es immer noch. Wohl wahr.
    Egal. Ich mache weiter so. 😉

  3. TÄGLICH, wirklich TÄGLICH übe ich mich im NEIN sagen, …. es geht mal gut, mal weniger gut. Nachdem ich aber weiß, dass meine Mitarbeiter mich von vorne bis hinten verarschen und meine Gutherzigkeit ausnutzen – damit muss Schluss sein. Am Dienstag geht mein Alltag wieder los und ich habe vor, alles umzukrempeln, was in meiner Macht steht und Überstunden, … nein … zumal sie mir am Monatsende genullt werden!

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