Magischer Mittwoch: Übergangsrituale

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Unser Leben beginnt mit der großen Einweihung in das Leben – der Geburt. Da unser Leben von Veränderungen gekennzeichnet ist, müssen wir uns immer wieder an neue Lebensumstände anpassen. Auf einige können wir uns nicht vorbereiten, weil sie nicht von uns beeinflusst werden können (wie Unfälle, der Verlust der Arbeit oder anderes). Es gibt aber viele Übergänge in unserem Leben, die wir fast alle durchschreiten, die uns verändern und die wir somit auch bewusst erleben können.

Übergänge

Die Ankunft eines neuen Menschen, wird meist von der ganzen Familie „gefeiert“ – dann gibt es für das Menschlein viele kleine Übergänge: Laufen lernen, sprechen lernen, der erste Tag im Kindergarten, der Verlust der Milchzähne und somit auch der Übergang von der unbeschwerten Kindheit in die Schulzeit, für Mädchen dann, mit Beginn der ersten Blutung, der Übergang zur Frau. (Jungen haben in dieser Zeit oft keine Übergänge, was sich dringend ändern sollte *find*) Dann mit Abschluss der Schule eine „Sinnfindung“ – eine Visionssuche: Wohin soll es für mich in meinem Leben gehen?

Dann kommen, bei manchen, folgende Übergänge: Heiraten und Familie gründen…

Dann der Übergang in´s „Älter werden“ – Menopause… der Übergang von der Arbeit in die Rente.. ggf. Enkelkinder und damit eine neue Visionssuche… der Übergang ins Alter und schließlich der Tod.

Warum Übergangsrituale so wichtig sind

Jeder neue Lebensabschnitt bringt etwas neues und unbekanntes mit sich. Neue Aufgaben, neue Rollen, neue Verantwortungen. Oft bricht etwas Altes und wohl bekanntes für uns weg, was wir hinter uns lassen müssen. Bei den einen Übergängen machen wir das freudig und es fällt uns leicht, doch bei anderen fällt es uns schwerer – oder wir wollen eigentlich gar nicht diese alten Strukturen verlassen. Ein Übergang birgt also nicht nur neue Möglichkeiten, sondern auch die Gefahren einer inneren Kriese.

Gerade in unserer „modernen“ Gesellschaft fehlen diese Rituale. Wie oft fühlen sich junge Menschen verloren und visionslos. Plötzlich sollen sie erwachsen sein – und wissen gar nicht wie. Oder ein Arbeitstier, der für die Arbeit gelebt hat, geht plötzlich in Rente und weiß überhaupt nichts mit dieser Zeit anzufangen… einen Sinn zu finden

Wie Übergangsrituale helfen

genau hier setzen Übergangsrituale an. Sie machen bewusst, dass nun ein anderer Lebensabschnitt beginnt. Sie bringt Menschen zusammen – ob es nun die eigene Familie ist, oder die Wahlfamilie – gemeinsam begleitet man diesen Menschen in einen anderen Lebensabschnitt.

Dabei finde ich es immer wieder gut, wenn Menschen dabei sind, die diesen Weg schon gegangen sind – und die dann über ihre Erfahrungen berichten, oder in einem Ritual die Menschen empfangen – auf der „anderen Seite“.

Gemeinsam kann man erkennen, was man hinter sich lassen wird, und was kommen wird. Man kann Ängste benennen, um Hilfe bitten, Lösungen finden, sich unterstützt fühlen. Man kann fühlen, dass man zwischen den Dingen steht… auf der Schwelle.

(Natürlich kann man Übergänge auch für sich alleine feiern – hier geht es konkret um die Wertschätzung der Veränderung, des Bewusstmachens von Verlust und Ängsten und das Erarbeiten von Lösungen)

Der Übergang – eine Ritualidee

Das Überqueren der Schwelle für sich selber bewusst machen, ist am leichtesten, wenn man ihn selber beschreitet…

Setze dich, gemeinsam oder alleine, hin, und überlege, was dieser neue Lebensabschnitt für Folgen für dich haben wird.

Was musst du hinter dir lassen? Was fällt dir besonders leicht an diesem Schritt, was fällt dir schwer und warum? Welche Ängste hast du? Und was brauchst du, um dich gut in deinen neuen Lebensabschnitt an zu kommen? Welche Hilfe hast du? Wo kannst du Hilfe bekommen?

Wenn du mit lieben Menschen feierst (was ich empfehle), dann kannst du sie um diese Hilfe bitten, sie könnten dazu dann Symbole mitbringen, die dir den Übergang erleichtern sollen.

Nun können die Menschen, einen Gang bilden, den du entlang laufen musst…  am Ende dieses Ganges steht jemand, der diesen Lebensabschnitt schon gegangen ist, um dich zu empfangen. Mit den Symbolen der Unterstützung, die du von deinen Freunden bekommst (das können auch beschrieben Blätter sein) gehst du los – um am Ende das Symbol des Lebensabschnittes überreicht zu bekommen.

Wenn du alleine feierst, kannst du einen Spaziergang machen, und dir selber das Symbol überreichen.

Nun ist Zeit, um gemeinsam zu feiern. Lacht, esst, und habt eine schöne Zeit.

Nachwort

Leider ist ein Übergangsritual keine Garantie dafür, dass man leicht mit der Veränderung klar kommt. Oft kann es einem trotzdem schwer fallen, sich den neuen Begebenheiten anzupassen. Manchmal kann es leider doch zu Depressionen oder anderen Kriesen kommen. Es ist, egal, wie leicht oder schwer es einem auch fallen mag, wichtig, sich Hilfe zu holen. Wir sind ein soziales Wesen und schaffen gewisse Dinge nicht alleine – und das ist in Ordnung so. Es ist in Ordnung, sich Hilfe zu holen, und auch professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Freitag stelle ich Übergangsritual-Ideen für das Mutter-werden vor.

Wenn du möchtest, dass ich ein solches Ritual bei dir leite oder dich mit begleite, kontaktiere mich bitte via Facebook oder per Mail – das mache ich wirklich sehr gerne.

Welche Übergangsrituale hast du schon gefeiert? Und was haben sie dir gegeben? Wo hättest du dir gerne eins gewünscht? Wo hätte es dir helfen können? Und welche Erfahrungen hast du mit Übergängen?

 

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2 Kommentare zu „Magischer Mittwoch: Übergangsrituale

  1. Hallo Wölfin 🙂
    Ich hab eigentlich keine wirklichen Rituale für Übergänge gehabt außer den schulischen (Einschulung, Abizeugnisvergabe…), da ich ungetauft in Westdeutschland aufgewachsen bin, da gab es ja auch keine Jugendleite. Retrospektiv muss ich aber sagen, grade für die Lebensabschnitte wo man „erwachsen“ wird: das geschieht nicht von heut auf morgen, wie dass man durch ein Tor tritt. Daher ist es teilweise etwas schwierig, den richtigen Zeitpunkt für so ein Ritual zu finden. Hätte man bei mir einen Übergangsritus „zur Frau“ veranstaltet, als ich meine Tage das erste mal bekam, wäre das für mich von „allem außer dem Bluten“ her fast 2 Jahre zu früh gewesen, da hätte ich mit so einem Übergangsritual schlicht gar nichts anfangen können.

    An anderen Stellen sehe ich nicht wirklich, dass sich etwas maßgebend verändert. Beim Heiratenzum Beispiel, denn schließlich hätte ich doch sowieso schon einige Jahre mit der Person zusammengelebt. Analog versteh ich nicht recht, welcher Übergang durch eine Taufe oder Kommunion/Konfirmation genau dargestellt werden soll, der nicht irgendwo anders schon abgehakt wird.

    Eher geeinget wär es finde ich für so Dinge wie die erste eigene Wohnung, oder auch den Beginn einer Ausbildung usw. Man merkt zwar auch da erst nach einiger Zeit, was wirklich alles zu diesem Übergang gehört (ist finde ich auch wichtig, diese Umbrucherfahrungen selbst zu machen und nicht davor direkt alles gesagt zu bekommen). Nur ist es halt gut zu wissen, dass Leute hinter einem stehen, damit man nicht allein ins Leben rennen muss 🙂

  2. Da ich ehemalige Waldorfschülerin bin, gab es für mich zum Beginn der Schulzeit das „Sonnenblumentor“ und zum Ende der Schulzeit das „Rosentor“ zu durchschreiten.

    Für mich war das ein großer Moment, zumal ich bei der Abschlussfeier erst ca 15 Monate an der neuen Schule war.

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