Haben und Sein

Ich sitze an meinen Schreibtisch und blicke von rechts nach links – nur um fest zustellen, wieviele Dinge hier herum liegen. Damit meine ich nicht das allgemeine Chaos, was sich gerne unter Dingen verbreitet, sondern die Masse an sich. Bei der Hausarbeit wird mir bewusst, ich habe sooo viel Kram – was mache ich damit bloß? Und wo kommt er her?

Ich ertappe mich bei Internet-Wanderungen über Blogs und Co dabei, wie ich bei bestimmten Dingen mir denke: „Oh, das ist toll, dass will ich auch!“ Oder wie ich mir wieder ein neues Buch auf einen Wunschzettel packe. Ich blätter in Zeitungsläden durch Magazine, die wiederum Werbung machen, für all die tollen Dinge, die ich noch nicht habe – und brauche.

Aus Erfahrung weiß ich, dass ich diese Dinge gar nicht brauche – sie verstauben und belasten mich. Richtig gehört – sie belasten mich. Nicht weil ich sie ständig von A nach B räumen muss, sondern rein energetisch. Sie stehlen mir Raum. Und je weniger Raum da ist, desto weniger Raum kann ich selber nutzen – um mich zu entfalten…

Was brauchen wir denn eigentlich? Ich meine, wofür steht der Gegenstand, den ich mir da kaufen möchte? Was will ich mir selber damit geben? Oder ist der Akt des Kaufens schon mit einer Geste behaftet, die eigentlich ganz anders aussehen könnte?
Welche Löcher will ich stopfen? Und vielleicht möchte ich mich damit ja auch ablenken? Von Themen, die mich belasten?

Die Magie der Werbung

Die meisten Produkte, die wir kaufen können in der Wirtschaft, suggerieren uns Käufern etwas bestimmtes, mit dem dann geworben wird. Ich finde, dies ist eine tiefe magische Handlung. Den magischen Gegenständen oder Schutzamuletten wird ja auch ein „Geist“ eingehaucht, der dann von dem Ding Besitz ergreift, und für uns dann etwas bestimmtes bedeutet, und „tut“ (z.B. ein Element repräsentieren).
In dem Sinne sind es auch die Produkte – ihnen wird eine bestimmte Eigenschaft „eingehaucht“ – und es wird dem Käufer suggeriert, dass er diese Eigenschaft dann inne hat, wenn er das Produkt besitzt/benutzt.
Da wären Schlankmacher, Schönmacher, Jungmacher – aber man kauft auch Gesundheit, Umweltbewusstsein und Wissen.

Wird man sich der Dinge klar, die man einkauft, so weiß man, was man eigentlich haben möchte. Es wäre also schlau, zu schauen, wie kann ich mir dieses „Geschenk“ denn wahrhaftig machen? Wenn mein Ziel schönes, glänzendes Haar ist – was muss ich dann tun, damit es so wird? Da fallen mir noch ganz andere Möglichkeiten ein, als Shampoo „X“.

Haben ist also auch sein

Man möchte durch das Haben etwas bestimmtes sein – und wir vergessen manchmal, dass wir durch den Kauf eines Produktes aber dennoch nicht sind, sondern nur Material anhäufen.

Schau dich selber an:

Welchen Schmerz möchtest du betäuben?
Was fehlt dir?
Was willst du dir selber wirklich geben?
Was brauchst du?
Was/Wie willst du sein?

Und dann tu es – sei es! Ich rufe auf, zu einem achtsamen Umgang mit deinem eigenem Konsum.

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17 Kommentare zu „Haben und Sein

  1. Sehr schöne Worte liebe Wölfin! Du bringst diese Thematik voll auf den Punkt. Ich danke dir herzlich und fühle mich inspiriert besser acht zugeben.

  2. Ich praktiziere das bereits schon eine Weile weil ich mal vor Jahren beschlossen habe nur noch Dinge in mein Leben zu lassen, die mich mit positiver Energie anfüllen. Inzwischen bekomme ich auch kaum noch so Zeug geschenkt, was mich freut. Auch habe ich aufgehört mir so viele Bücher zu kaufen wie früher. Ich leihe mehr aus, tausche, nutze Bücherschränke und co. Aber dennoch: trotz dauerndem Aussortieren habe ich immer noch viele Gegenstände. Doch es ist nicht so wie früher. Wenn ich sie jetzt anschaue, dann freue ich mich über sie, sie belasten mich nicht. Auch mit Zimmerpflanzen mache ich das. Früher habe ich alle behalten und durchgepeppelt, egal ob sie mich genervt haben oder nicht. Inzwischen achte ich viel mehr darauf wie sie sich anfühlen und ob sie überhaupt bei mir bleiben wollen.

    1. Das zeigt, wie sehr du gewachsen bist. Ich habe Respekt davor. Ich denke, es hat auch viel mit Selbstliebe zu tun, wenn man für sich erkennt, dass etwas einem nicht gut tut, und sich dann tatsächlich davon zu befreien.
      Ich schneide mir dann mal eine Scheibe von dir ab ^^
      Danke

      1. huch… na ja, ich lebe nicht minimalistisch oder so. Anfangs dachte ich, ich müsste alles ganz „leer“ machen aber ich fühle mich super unwohl mit leeren Wänden und all dem. Manche behaupten ja, dass leere Wände und Räume mehr Raum für die eigene Entfaltung geben aber ich glaube manchmal, dass die zu sehr von sich selbst ausgehen. Man kann nicht wirklich verallgemeinert, finde ich. Nicht jeder ist so ein Zen-Typ. Wie denkst du darüber? Würdest du dich in einer minimalistischen, perfekt aufgeräumten Wohnung wohl fühlen?

      2. Nein, das würde ich nicht. Viele Dinge mag ich einfach und geben mir ein gutes Gefühl – wie du schon sagtest. Es gibt Orte, da brauche ich mehr Ordnung und weniger Kram – das ist das Schlafzimmer – aber im Wohnzimmer fühle ich mich mit den Dingen ganz wohl. Es gibt noch einiges, was mir nicht gut tut – das muss noch weichen – und dann sehen wir weiter.

        Ich denke auch, dass es sich für einen selber richtig anfühlen muss, sonst macht das Gnaze keinen Sinn. Was nützt es dir, wenn du in einem leeren Raum sitzt und dich unwohl fühlst?

        Tu, was dir gut tut ❤

  3. Da stellst Du ein paar ganz wichtige Fragen!

    Konsumieren ist in Wahrheit meist eine Kompensationssache für etwas anderes. Wir kaufen das Lebensgefühl, das die Werbung uns vermittelt statt uns selbst das Leben zu schaffen, das wir wirklich gerne führen würden.

    lg
    Maria

    1. Auch ich tue es (noch) – aber je achtsamer man wird, um so besser kann man solche Dinge erkennen… mir fällt auf, dass es auch immer von Person zu Person andere Themen sind – und damit auch andere Produkte. So als hätte jede persönliche Schwierigkeit ihre bestimmten Konsumgüter, die dies kompensieren sollen. Das könnte eine interessante Forschungsstudie sein (falls es die noch nicht gibt)

  4. Komme gerade vom Einkaufen , mache mir eine Tasse Cappuccino, fahre den PC hoch und … besuche dich.
    Haben und Sein … ein Thema das mich auch immer mal wieder beschäftigt. Gestern habe ich mir eine
    Leseprobe aus der Buchhandlung mitgenommen, heute morgen beim Frühstück rein gelesen und dann der Gedanke : Muss ich haben !! Also bei den “ Onleihen“ geschaut, bei meiner Bücherei und ihrem Verbund …nirgends. Und dann wieder in die Buchhandlung um mal nachzufragen, was es so kostet . Verkäuferin meines Vertrauen : “ Es liegt hinter dir, willst du es mitnehmen ? “
    Sparen wollte ich diesen Monat, weil es so knapp ist das Geld. Gekauft habe ich das Buch, obwohl es
    nicht zum Budget passt. Aber es fühlt sich gut an, nach all dem Verzicht in den ersten 23. Tagen des Jahres m i r ein Buch zu kaufen.
    Bücher ist bei mir eine Sucht. Ich leihe schon viel aus, aber ab und an will ich eins besitzen. Mittlerweile sind es unzählige. Manchmal sitze ich in meinem Wohnzimmer und denke mit Grauen
    an den nächsten Umzug. Aber trennen kann ich mich von ihnen nicht.

    Liebe Grüße
    die Sammlerin

    1. Hallo Liebes,
      deine Bücherliebe teile ich, und konnte lange Zeit kein einziges Buch los lassen. Oder nur vereinzelt ein paar, wo ich sicher war, ich würde sie nicht vermissen. Mittlerweile fällt es mir etwas leichter – und es gibt so Tage, an denen geht das einfacher – diese Tage nutze ich dann, um durch meine Regale zu schauen.

      Mittlerweile kaufe ich mir kaum Romane – die leihe ich mir wirklich fast alle aus – und lese sie auch nur sporadisch.
      M;ein „Problem“ sind Sachbücher – von denen kann ich mich schlecht trennen und möchte sie am liebsten alle haben… aber auch da wird mir leider grad bewusst, dass ich meistens das Wissen, was sie vermitteln „sein“ will.

      Wie oft lese ich sie nicht ganz?

      Ich glaube, der erste Schritt ist ja überhaupt erst einmal das „bewusst machen“. Wie es danach weiter geht, werden wir sehen (der Schritt kommt aber erst dann.

      Du bist also genau, wo du bist, richtig! :*

  5. Ja, das kenne ich nur zu gut.
    Gerade Heute miste ich,mal wieder,meinen Keller aus. Ich habe nur eine klitzekleine Wohnung und sie wird schnell überfüllt und das nimmt mir im wahrsten Sinne des Wortes Raum. Deswegen kommt der Überflüssige Kram in den Keller. da liegt der Kram herum und ich merke „Ich brauch das gar nicht wirklich“
    Ausmisten befreit mich jedesmal.
    Und ich habe dann das Gefühl wieder frei atmen zu können.

    Mit meinen Büchern mache ich es so, dass ich sie verschenke,nur meine Lieblingsbücher behalte ich.

    Sachen zum anziehen habe ich mir schon seit ca 4 Jahren nicht mehr gekauft(ausser Schuhe) Ich stöbere lieber in Kleidersäcken, die bei uns auf der Arbeit abgegeben werden und tausche dann eben meine Klamotten, die ich nicht mehr brauche.

    Ich bin noch nicht perfekt, aber das will ich auch gar nicht sein 😉

  6. Ein wunderbarer Text, der sehr schön formuliert, was mir seit längerem durch den Kopf geht. Ausmisten ist zentral wichtig, doch leider geht es nicht so voran, wie ich es mir wünsche. Immerhin wehre ich mich mittlerweile recht gut gegen all die Verlockungen und sage auch mal nein, wenn ich etwas nicht geschenkt bekommen will. Anfänglich hat das befremdend gewirkt, mittlerweile haben sich die Leute dran gewöhnt und schenken mir Verbrauchssachen. So können sie schenken und ich hab hier nix rumstehen 🙂

  7. Hach, du sprichst mir aus der Seele! Wieviele Dinge „braucht“ man, um glücklich zu sein? Ich behaupte mal: Nur ganz wenige 😉 Bei uns stapelt es sich auch an allen Ecken und Kanten, der Kram nimmt mir Raum und Energie, und trotzdem ertappe ich mich immer noch immer wieder dabei, etwas unbedingt zu brauchen. Und das, obwohl ich mich für recht konsumresistent halte, zumindest was die „normale“ Werbung angeht. Die Erkenntnis, dass da eigentlich tiefere Bedürfnisse dahinterstecken, ist wirklich sehr hilfreich 🙂

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